Zahl der Infektionen steigt – Voller Impfschutz nach mehreren Monaten

Gesundheitsamt rät zu FSME-Impfung

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen im Land deutlich zugenommen: 

 

 

FSME

Meldejahr

1. Halbjahr

Gesamt

2015

26

70

2016

44

147

2017

81

195

2018

109

288

FSME Fälle in Baden-Württemberg, 2015-2018

Viele FSME-Infektionen passieren bei Freizeitaktivitäten, beispielsweise beim Joggen, Wandern, Camping oder der Gartenarbeit. Da beispielsweise Jäger oder Forstarbeiter in der Regel eher geimpft sind, tritt die Infektion im Durchschnitt häufiger bei Menschen auf, die sich nur gelegentlich im Wald aufhalten.
Die Impfung gegen FSME ist im Allgemeinen gut verträglich, wird von den Hausärzten durchgeführt und von den Krankenkassen übernommen. Das Gesundheitsamt rät, bereits jetzt mit der Impfung zu beginnen. In der Regel sind drei Impfungen in einem Zeitraum von mehreren Monaten nötig, um den vollen Impfschutz zu erreichen. Nach der ersten Impfung findet entsprechend dem klassischen Schema die zweite ein bis drei Monate später statt. Die dritte Impfung ist dann - je nach Impfstoff - fünf bis zwölf bzw. neun bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung fällig. Der Impfschutz hält dann mindestens drei Jahre. Nach vollständiger Impfung kann bei 99 Prozent der Geimpften mit einem vollständigen Schutz vor FSME gerechnet werden. Bereits nach zwei Impfungen besteht bei 98 Prozent ein Schutz, der allerdings nur etwa ein Jahr anhält. Mittlerweile gibt es jedoch auch Schnellschemata über wenige Wochen, die beispielsweise vor einer Reise in ein Risikogebiet angewandt werden.
Man schätzt, dass etwa 0,1 - 5 Prozent aller Zecken mit dem FSME-Virus infiziert sind. Risikogebiete sind ganz Baden-Württemberg und fast ganz Bayern. Denken Sie auch vor Ihrem Urlaub an die FSME-Impfung (Österreich, Polen, Baltikum, Küstengebiete Skandinaviens, generell östliches Europa).
Am häufigsten erkranken Menschen im Alter von 30 bis 60 Jahren. Bei einer Beteiligung des Gehirns, der Hirnhäute und/oder der Nerven (wovon 51 Prozent der in 2017 gemeldeten Fälle betroffen waren), kann es – besonders in höherem Lebensalter – zu dauerhaften Folgeschäden kommen.
Zecken können auch – und das egal wo – die Lyme-Borreliose übertragen. Unerkannt und unbehandelt kann die Infektion mit den Bakterien, den sogenannten Borrelien, zu schweren chronischen Nervenschäden oder Gelenkerkrankungen führen. Im Schnitt tragen 5 bis 35 Prozent aller Zecken die Erreger in sich. Gegen Borreliose gibt es im Gegensatz zu FSME keine Impfung, daher ist es umso wichtiger, die Krankheit schnell zu erkennen und zu behandeln. Sicherster Hinweis ist die so genannte „Wanderröte“, ein roter Fleck oder Kreis um die Einstichstelle, der sich langsam ausbreitet. Es ist daher ratsam, den Körper nach Aufenthalten im Freien gründlich abzusuchen, eventuelle Zecken schnell zu entfernen und im Zweifelsfall einen Arzt aufzusuchen. 

Tipps:
Helle Kleidung (auf der Zecken besser zu sehen sind), lange Hosen und festes Schuhwerk machen es Zecken zumindest schwerer, sind aber kein ausreichender Schutz. Zecken können lange unbemerkt auf der Kleidung herumkrabbeln, bis sie eine geeignete Stelle gefunden haben. Die sollte möglichst warm sein, und je dünner die Haut ist, desto lieber sticht die Zecke zu – zum Beispiel in den Armbeugen, Achseln oder Kniekehlen.
Bei der Entfernung einer Zecke gibt es viele Mythen: im Uhrzeigersinn drehen, Öl benutzen, sogar abbrennen – aber nichts davon hilft wirklich, da der Saugrüssel der Zecke durch viele kleine Widerhaken sowie eine klebrige Flüssigkeit mit der Haut verbunden ist. Wichtig ist vor allem, die Zecke nicht ruckartig zu entfernen. Im Idealfall sollte die Zecke nach dem Entfernen sogar noch leben – denn ringt sie mit dem Tod, während sie noch in der Haut steckt, steigt die Gefahr, dass sie im letzten Moment z.B. noch Borreliose-Erreger aus ihrem Darm in den Wirt abgibt. Mit einer Zeckenzange oder einer spitz zulaufenden Pinzette sollte man die Zecke möglichst nahe an der Einstichstelle greifen und dann sanft ziehen, ohne sie zu zerquetschen – und etwas warten. Nach kurzer Zeit sollte die Zecke von selbst loslassen. Wer sich das nicht zutraut, sollte möglichst schnell einen Arzt aufsuchen. Der Zeitfaktor spielt deshalb eine Rolle, da Zecken in der Regel erst mehrere Stunden lang Blut saugen, bevor sie Krankheitserreger an ihren Wirt abgeben.

Links zu weiteren Informationen:

Robert-Koch-Institut:
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/F/FSME/FSME.html?cms_box=1&cms_current=FSME+%28Fr%C3%BChsommer-Meningoenzephalitis%29&cms_lv2=2381912
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:
https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/fsme/
Flyer des Sozialministeriums:
https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-sm/intern/downloads/Publikationen/Vorsicht-bei-Zeckenstichen_2016.pdf


Bei weiteren Fragen rund um das Thema Zecken-Impfung bzw. Impfung allgemein wenden Sie sich gerne an das Gesundheitsamt.