Gebote und Verbote befolgen – aber menschlich bleiben.

In einem offenen Brief wendet sich Oberbürgermeister Thilo Michler an die Öhringer Bürgerinnen und Bürger und ruft in der aktuellen Lage zu Vernunft und Solidarität auf.


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

das Coronavirus dominiert nicht nur die Medienberichte, es beeinträchtigt unser öffentliches Leben mittlerweile enorm. Täglich kommen neue Informationen, Einschränkungen und Verordnungen hinzu – und diese sind erforderlich! Baden-Württemberg gehört zu den Regionen mit einer sehr hohen Dynamik an neuen Infektionen. Im Gebiet unserer Stadt sind einige Fälle bekannt. Der Hohenlohekreis ist in unserem Bundesland der am stärksten betroffene Landkreis. Das öffentliche Leben und das soziale Miteinander hat sich in diesen Tagen sehr verändert.

Ich wende mich mit diesem offenen Brief an alle Öhringer Bürgerinnen und Bürger in der Kernstadt sowie in allen Stadtteilen:

Zusammenhalt und Solidarität waren in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wahrscheinlich noch nie so wichtig wie jetzt. Bitte beachten Sie daher alle aktuell geltenden Gebote und Regeln!

Die Einschränkungen unseres alltäglichen und sozialen Lebens verlangen uns allen viel ab. Nun heißt es vor allem vernünftig handeln, Ruhe bewahren, die Schwachen zu schützen und Solidarität zeigen. Achten Sie auf Hygiene. Sehen Sie bitte von „Hamsterkäufen“ ab – es gibt ausreichend Ware für alle. Helfen Sie älteren Mitbürgern mit Einkaufsdiensten. Telefonieren Sie mit Ihrer Familie, Freunden und Bekannten und unterstützen Sie sich mental in dieser unsicheren Zeit. Und das Wichtigste: Bleiben Sie stets ruhig und besonnen.


Ich möchte Ihnen einen kurzen Überblick der aktuellen Situation geben:

Alle Veranstaltungen werden verschoben oder abgesagt – die Krise trifft auch die Vereinswelt

Mit der aktuellen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg sind viele Verbote festgeschrieben. Es dürfen im Moment grundsätzlich keine Veranstaltungen und Ansammlungen mit mehr als zwei Personen stattfinden – eine Ausnahme sind Familien. Für standesamtliche Trauungen versuchen wir einen kleinsten Rahmen zu ermöglichen. Ähnliches gilt für Trauerfeiern. Das ist für uns alle sehr belastend.

Ganz schwer ist die Krise jetzt schon für all diejenigen, die ausschließlich vom Betrieb von Veranstaltungen leben. Daher ist es auch so wichtig, dass die diskutierten staatlichen Soforthilfen gerade bei den Kleinstunternehmen und Selbständigen schnell ankommen.

Auch die Vereinswelt steht durch Corona still. Konzerte fallen aus, der Trainings- und Spielbetrieb der Sportvereine ruhen. Einnahmequellen der Vereine fallen weg. Bitte unterstützen Sie Ihre Vereine, vielleicht auch mit der einen oder anderen Spende oder dem Verzicht auf die Rückzahlung von Geld wegen eines ausgefallenen Angebots.

Gaststätten müssen ebenfalls schließen, viele Geschäfte haben bereits zu

Durch die Corona-Verordnung soll erreicht werden, dass die Menschen nur noch wegen der Arbeitsverpflichtung und für die eigene Versorgung aus dem Haus gehen. Gaststätten müssen seit kurzem komplett schließen. Der Außer-Haus-Verkauf von Gaststätten bleibt aber weiterhin möglich. Manche bauen einen Lieferdienst auf. Die Lebensmittelgeschäfte bleiben wegen ihrer Versorgungsfunktion geöffnet - die Versorgung ist gesichert. Läden vieler anderer Branchen mussten schließen.

Auf alle Fälle sollten wir uns dafür engagieren, dass alle wieder ihre Geschäfte und Lokale eröffnen können, wenn die Corona-Zeit vorüber ist. Ich bitte Sie alle: Unterstützen Sie unsere regionalen Geschäfte im Rahmen der zulässigen Möglichkeiten. Viele haben bereits neue und kreative Angebote auf die Beine gestellt: Abholservice, kostenloser Lieferservice oder Online-Angebote. Auf der städtischen Homepage finden Sie eine stetig wachsende Übersicht zahlreicher digitaler Einkaufsmöglichkeiten.

Informieren Sie sich telefonisch oder online bei den Geschäften und ganz wichtig: Kaufen Sie online möglichst bei unseren lokalen Händlern und helfen Sie mit, dass Umsätze in der Stadt bleiben. Dadurch erhalten wir alle nicht nur zuverlässig das nötige Warenangebot, sondern tragen dazu bei, dass unsere Händler und Dienstleister ihr Geschäft auch nach der Krise weiterbetreiben und für uns da sein können.

Schule, Kindergarten und die Jugend in Öhringen

Seit 17.03.2020 sind die Schulen und Kindergärten geschlossen. Ebenso die Volkshochschule und die Jugendmusikschule, inzwischen auch Spielplätze. Das Angebot von Notplätzen für die Betreuung von Kindern wird nur in ganz wenigen Fällen genutzt.

Die Lehrerinnen und Lehrer stehen in engem Kontakt mit Ihren Schülerinnen und Schülern. So bekommen die Kinder per E-Mail oder über die Homepage der Schule Aufgaben gestellt. Auch unsere Lehrkräfte an der Jugendmusikschule machen Unterrichtsangebote über das Telefon, Internet und auf anderen virtuellen Wegen.

Ich wünsche allen Eltern, die in dieser Ausnahmesituation die Kinder zu Hause betreuen, viel Kraft und Zuversicht. Gerade Sie tragen zurzeit eine große Last Ihre Arbeit, Schulaufgaben und Kinderbetreuung zu bewältigen. Für die Stadt Öhringen haben wir beschlossen, die Abbuchung der Gebühren für Kindergärten und die Jugendmusikschule zurück zu stellen, bis es eine landesweite Lösung gibt.
Die Jugendlichen haben jetzt viel freie Zeit. Daher meine herzliche Bitte an die Jugend in unserer Stadt: Auch wenn es schwer fällt, haltet Euch an die allgemein geltenden Regeln. Es ist nicht die Zeit für Partys - auch nicht im kleineren Kreis.

Die Entwicklung der Pandemie: Eine große Herausforderung für alle im Gesundheitswesen

Wir müssen daher alles daransetzen, die Verbreitungsgeschwindigkeit des Virus zu drosseln und die Infektionsketten zu unterbrechen. Ich bedanke mich bei allen, die sich in Medizinberufen in dieser Zeit vorbildlich engagieren.

Das Gesundheitsamt des Landratsamtes arbeitet auf Hochtouren und mit vereinten Kräften. Sie führen Interviews mit infizierten Personen, ermitteln Kontaktgruppen und Telefonnummern. In einigen Fällen ist Quarantäne nötig. Bitte seien Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, nicht überrascht, wenn Sie einen Anruf bekommen, weil Sie als Kontaktperson ermittelt wurden. Auf alle Fälle appelliere ich an alle Mitbürgerinnen und Mitbürger:

Wenn Sie Symptome wie Fieber haben, bleiben Sie vorsorglich zuhause und suchen Sie den telefonischen Kontakt zum Arzt oder zur Ärztin Ihres Vertrauens.

Die Arbeitsweise der Stadtverwaltung, Sitzungen der kommunalen Gremien

Seit einigen Tagen sind die Verwaltungsgebäude der Stadt und in den Ortschaften geschlossen. Hinter den Türen laufen die Geschäfte aber weiter. Termine gibt es aus Sicherheitsgründen nur nach Absprache. In den Aufgaben der kritischen Lebensbereiche (Wasser, Abwasser usw.) wird ein Sicherungssystem im Schichtbetrieb umgesetzt. Auch in anderen Tätigkeitsfeldern der Stadt wird dies nach und nach eingesetzt, um jederzeit die Funktionsfähigkeit des Betriebes der Großen Kreisstadt Öhringen zu sichern. Mit einem eingeschränkten Dienstbetrieb muss dennoch gerechnet werden. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Notwendige kommunale Beschlüsse müssen gefasst werden. Deshalb werden wir die Sitzungen des Gemeinderats gemäß der Regelung der Gemeindeordnung in der KULTURa abhalten. So wird es die nächste Sitzung des Gemeinderats am 28. April 2020 geben. Aktuelle Entwicklungen zwingen uns jedoch immer wieder zu Anpassungen. Über Veränderungen halten wir Sie über die Medien und die städtische Homepage www.oehringen.de auf dem Laufenden.

Unsere Stadtbücherei arbeitet derzeit an Möglichkeiten für einen Bücher-Abholdienst (Infos dazu unter: www.stadtbuecherei-oehringen.de). Auch zahlreiche Online-Angebote der Bücherei, wie E-Books und Streamingdienste, sind ein Tipp für die Zeit zuhause.

Bitte bleiben Sie gesund, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Bitte helfen Sie alle mit, unserer aktuellen Verantwortung gerecht zu werden. Befolgen Sie die Regeln! Unsere Senioren gilt es besonders zu schützen. Deshalb auch ein großer Dank an alle Kräfte in den Pflegeheimen, den Pflegediensten für Ihre so wichtige Arbeit. Danke an alle Ehrenamtlichen, die ihre Hilfe anbieten.

Bleiben wir gemeinsam besonnen, solidarisch und aufmerksam. Deshalb bedanke ich mich auch für alle Hilfsangebote, die in den letzten Tagen gemacht wurden und auf die wir sicher noch dankbar zurückgreifen werden.

Viel Gesundheit und Kraft in diesen herausfordernden Tagen wünscht Ihnen,

Ihr Thilo Michler


Oberbürgermeister