Gemeinschaftsprojekt am Limes erhält EU- und Landesförderung

Übersichtsplan Obergermanisch-Raetischer Limes
Blick vom Hang bei Gleichen zum Pfahldöbel bei Zweiflingen
Limesplattform bei Pfahlbach - Gde Zweiflingen
Limesplattform bei Pfahlbach - Gde Zweiflingen
Limesplattform südlich von Öhringen
Limesplattform südlich von Öhringen
Limesplattform südlich von Öhringen
Limesplattform bei Gleichen - Gde Pfedelbach
Limesplattform bei Gleichen - Gde Pfedelbach

Stadt Öhringen :: Gemeinde Zweiflingen :: Gemeinde Pfedelbach :: LEADER Limesregion

„Unser Gemeinschaftsprojekt am Welterbe Limes ist einmalig! Der Blick von den drei Limesplattformen in Zweiflingen, Pfedelbach und Öhringen wird völlig neue Perspektiven auf die schnurgerade Grenzlinie bieten“, freut sich der Öhringer Amtsleiter und Wirtschaftsförderer Albert Küchel.

Sichtverbindung am Limes
Drei Aussichtsplattformen werden die Sichtverbindung entlang des Limes zwischen Zweiflingen, Öhringen und Pfedelbach möglich machen. Wie mit dem Lineal zogen die römischen Erbauer vor mehr als 1800 Jahren die Grenzlinie durch unsere Region und ein fast 12 km langes Stück soll künftig wieder mit bloßem Auge nachempfunden werden können.

Während die Besucher in Pfedelbach in ein Meter Plattformhöhe leicht erhöht stehen werden, blicken sie von der Zweiflinger Plattform bereits in drei Metern Höhe auf den Limes. Die Öhringer Limesplattform befindet sich aufgrund der Topographie in zehn Metern Höhe und muss daher statisch aufwändiger gestaltet sein.

Albert Küchel hatte die Projektidee erstmals in der Agenda-Gruppe Limes vorgestellt. In ihr haben sich sieben Limes-Gemeinden von Schöntal im Norden bis Mainhardt im Süden zusammengeschlossen, um das Welterbe in unserer Region zu schützen, weiter zu erforschen und auf sanfte Art touristisch zu erschließen. Die Limesplattformen wurden innerhalb der AG Limes als Projekt der Verwaltungsgemeinschaft Öhringen, Pfedelbach und Zweiflingen entwickelt und zur Umsetzungsreife gebracht.

Die Standorte der Plattformen sind bereits heute touristisch sehr gut angebunden. So führen der Limeswanderweg, der Limesradweg als auch die Deutsche Limesstraße durch das Gebiet entlang des Limes und unweit der kommenden Aussichtspunkte vorbei.

„Gerade auch in touristischer Hinsicht bietet sich der sehr schöne Blick entlang des Limes vom Pfahldöbel bei Zweiflingen über das Öhringer Becken bis zum Waldrand bei Gleichen für das Plattformprojekt sehr gut an“, berichtet Klaus Gross, Bürgermeister der Gemeinde Zweiflingen. „Für uns war auch wichtig, dass wir auf Zweiflinger Gemarkung zur Reduzierung der Kosten auf ein bereits vorhandenes Gebäude am Pfahldöbel aufbauen konnten.“

Drei Entwürfe wetteiferten um den Zuschlag
Drei Architekturbüros hatten ihre Entwürfe und Kostenberechnungen im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung eingereicht. „Wichtig war allen Beteiligten, dass alle drei Plattformen auf einem gemeinsamen Entwurf basieren und dadurch in ihrer Bauart und auch optisch eine Einheit bilden sollten“, erläutert Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler.

Ein überkommunal und fachlich sehr kompetent besetztes Preisgericht wählte aus drei unterschiedlichen Ansätzen den Entwurf des Büros Knorr und Thiele Architekten aus und empfahl dessen Umsetzung. Die Ratsgremien in Pfedelbach, Öhringen und Zweiflingen folgten dieser Empfehlung und beschlossen die Finanzierung und die Errichtung der gemeinsamen Limesplattformen, die voraussichtlich im Jahre 2012 gebaut werden sollen.

Die modernen verzinkten Stahlkonstruktionen des Büros Knorr & Thiele werden aufgrund ihrer Architektur neugierig machen und so dazu beitragen, dass der Limes als Welterbe der UNESCO noch mehr in den Focus der Öffentlichkeit rückt. Was im Limes-Entwicklungsplan des Landes Baden-Württemberg ein wichtiges Ziel darstellt.

„Unser Sechseckturm bei Gleichen ist am Limes bereits eine Besonderheit, die mit dem neuen Plattform-Projekt nochmals ganz anschaulich und wirkungsvoll präsentiert werden kann. Zugleich war allen Beteiligten bewusst, dass eine Verwirklichung nur möglich ist, wenn wir die Kosten stets im Blick halten und auf Fördermittel zurückgreifen können“, erklärt Torsten Kunkel, Bürgermeister der Gemeinde Pfedelbach.

Daher wurde ein gemeinsamer Antrag im Rahmen der EU-Förderung LEADER innerhalb des Aktionsgebiets LEADER Limesregion gestellt. Die zuständige LEADER-Aktionsgruppe Limesregion befürwortete den Antrag und stufte das Projekt als Leitprojekt ein. Auch die zuständigen Behörden des Landes einschließlich des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz folgten dem Urteil der Aktionsgruppe und gaben dem Hohenloher Projekt grünes Licht.

Die förderfähigen Nettokosten der drei Plattformen belaufen sich auf ca. 410.000 Euro. Die Europäische Union und das Land Baden-Württemberg steuern voraussichtlich knapp 308.000 Euro zum Gelingen des Projekts bei. Die drei Projektkommunen schultern den Restbetrag, der in Abhängigkeit der drei Plattformkosten entsprechend aufgeteilt wird.

Leitprojekt der LEADER-Förderkulisse
„Leitprojekte werden mit 75% der förderfähigen Kosten bezuschusst, was uns besonders freut und uns allen die Finanzierung des einmaligen und sehr engagierten Vorhabens am Welterbe erleichtert“, erklärt Stadtmanager Michael Walter.

Aus Sicht der LEADER Geschäftsstelle und der LEADER Aktionsgruppe Limesregion besitzt das interkommunale LEADER Leitprojekt eine ganz besondere Ausstrahlung und Einzigartigkeit.

„Durch die Installierung dieser Aussichtsplattformen wird das UNESCO Welterbe Limes enorm aufgewertet und vor allem wieder in das Gedächtnis der breiten Öffentlichkeit gerückt. Denn wenn man selbst etwas sehen und erleben kann ist es möglich eine Verbindung zu seiner eignen Vergangenheit zu erhalten. Die Menschen vor Ort aber auch die Besucher für die Erhaltung Ihres kulturellen Erbes zu begeistern und dadurch ganz nebenbei auch die lokale Wirtschaft und den sanften Tourismus zu unterstützen.“ lobt die ehemalige Geschäftsführerin Nicola Bodner der LEADER Geschäftsstelle das Plattformprojekt.


Projekt: Limes-Plattformen - Zweiflingen-Öhringen-Pfedelbach

Knorr & Thiele Architekten
Knorr & Thiele Architekten
Dipl.-Ing. (FH) Ute Wieland
Dipl.-Ing. (FH) Ute Wieland
Vogler & Fischer Freie Architekten
Vogler & Fischer Freie Architekten

Planungswettbewerb im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung durchgeführt.

Das Plattformprojekt am Limes

Mit der Erhebung der Obergermanisch-Raetischen Limes (ORL) zum Welterbe der UNESCO im Jahre 2005 ist nicht nur für viele Archäologen und Denkmalschützer ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Gleichzeitig war diese internationale „Adelung“ aber auch Auslöser einer langsam einsetzenden Bewusstseinsbildung für das historische Erbe „Limes“ in unserer Region. Nichts desto trotz muss dieses hochkarätige Kulturgut weiterhin geschützt, geworben und erforscht werden.

Um diese Bewusstseinsbildung in unserer Region zu unterstützen hat das Stadtmanagement Öhringen eine Agenda-Gruppe Limes ins Leben gerufen. Seit 2007 arbeitet diese überkommunal von Schöntal bis Mainhardt in verschiedenen Limes-Projekten zusammen und orientiert sich in ihren Zielen am Limesentwicklungsplan Baden-Württemberg, der wiederum auf dem Masterplan der UNESCO basiert.

In unserer Region ist der Limes nur an wenigen Stellen, meist als Graben oder Wall, manchmal auch beides zusammen, sichtbar. Ganz wenige Turmfundamente sind noch erhalten, andere sind restauriert oder nachbildend hergestellt. Insofern ist es schwierig, sowohl der einheimischen als auch der fremden Öffentlichkeit etwas Sichtbares und Erlebbares zu vermitteln, das weitergetragen, geschützt und Bewusstsein bildend eingesetzt werden kann.

Charakteristisch und eine technische Meisterleistung jener Zeit ist jedoch der schnurgerade Verlauf des Limes auf einer Länge von rund 88 km zwischen Osterburken und Welzheim. Über 11,4 km dieser schnurgeraden Strecke sind für den kundigen Betrachter mit dem bloßen Auge erlebbar - besonders eindrucksvoll von der Hangkante beim restaurierten 6-eckigen Turm-fundament bei Pfedelbach-Gleichen über das „Öhringer Becken“ hinweg bis zum Pfahldöbel bei Westernbach und Pfahlbach.

Das ist auf der ganzen Limesstrecke in dieser eindrucksvollen Art und Weise nirgendwo sonst der Fall, weshalb dieses besondere Merkmal ausgebaut und breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht werden muss.

Dies soll durch drei baulich aufeinander abgestimmte Plattformen in Pfedelbach, Zweiflingen und Öhringen geschehen, wobei in Öhringen aufgrund der Topografie sicherlich ein turmartiges Bauwerk wird entstehen müssen.

Im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung konnten drei lokale Architekturbüros Vorschläge für die Umsetzung dieser Plattformen erarbeiten.

Folgende Architekturbüros wurden in die Mehrfachbeauftragung einbezogen und reichten ihre Entwürfe fristgerecht ein:

Dipl.-Ing. (FH) Ute Wieland, Gleichen, Römerstraße 8, 74629 Pfedelbach

Vogler & Fischer Freie Architekten, Pfahlbacher Straße 29, 74639 Zweiflingen

Knorr & Thiele Architekten, Ohrnberg, Sindringer Straße 18, 74613 Öhringen

Eine Empfehlungskommission mit Teilnehmern aus allen drei beteiligten Kommunen prüfte die Entwürfe sorgfältig und legte folgende Reihenfolge fest:

1. Platz: Knorr & Thiele Architekten
2. Platz: Dipl.-Ing. (FH) Ute Wieland,
3. Platz: Vogler & Fischer Freie Architekten

Die Erstplatzierten Knorr & Thiele wurden gebeten, ihren Entwurf weiterzuentwickeln und erforderlichen Änderungen einzuarbeiten.

Im darauf folgenden Schritt entschieden sich die Gemeinderäte in Zweiflingen, Öhringen und Pfedelbach für das Plattformprojekt und die Variante des Büros Knorr und Thiele.

Zugleich wurde von den Projektpartnern ein Förderantrag im Rahmen der EU-Förderkulisse Limesregion LEADER gestellt. Dieser wurde im September 2011 gebilligt und eine EU- und Landesförderung von insgesamt 75% der förderfähigen Kosten in Aussicht gestellt.

Die Umsetzung des Projekts und damit der Bau der drei Limesplattformen erfolgte im Jahr 2013.

Ein sehr schöner Erfolg des überkommunalen Projekts am Limes, dem Welterbe der UNESCO!